Starhemberg


Starhemberg

Starhemberg (Starchemberg), uraltes österreichisches, teils fürstliches, teils gräfliches Geschlecht, stammt aus Oberösterreich, wo Gundaccar 1176 das Schloß Storchenberg erbaute. Erasmus von S., geb. 1493, gest. 1560. nahm 1529 an der ersten Befreiung Wiens von den Türken teil. Von den drei von seinen Söhnen Rüdiger, Gundakar und Heinrich begründeten Linien starb die mittlere 1643, die jüngste, die 1643 in den Reichsgrafenstand erhoben worden war, 1857 aus. Die älteste Linie, die Rüdigersche, erhielt 1643 die reichsgräfliche, 1765 die reichsfürstliche Würde und blüht noch in einer fürstlichen Hauptlinie und einer gräflichen Nebenlinie, erstere vertreten durch Ernst, Fürsten von S., Mitglied des österreichischen Herrenhauses, geb. 30. Nov. 1861, letztere durch Guido, Grafen von S., geb. 10. Jan. 1864. Vgl. Schwerdling, Geschichte des uralten, teils fürstlichen, teils gräflichen Hauses S. (Linz 1830). Die namhaftesten Sprößlinge des Geschlechts sind:

1) Ernst Rüdiger, Graf von, geb. 12. Jan. 1638 in Graz, gest. 4. Juni 1701 auf seiner Besitzung Wesendorf (Freigut auf der Wieden in Wien), diente zuerst im Staatsdienst, widmete sich aber dann der kriegerischen Laufbahn, indem er 1664 unter Montecuccoli gegen die Türken zog und später die französischen Kämpfe mitmachte und bis zum Feldmarschallleutnant vorrückte. 1680 wurde er Kommandant der Stadt Wien, und als solcher machte er sich berühmt durch die erfolgreiche Verteidigung der Stadt gegen die Türken vom 9. Juli bis 12. Sept. 1683. Kaiser Leopold verlieh ihm hierfür den Feldmarschallstab, die Würde eines Staats- und Konferenzministers und das Recht, den Stephansturm im Wappen zu führen. S. folgte dann dem König Johann Sobieski als Kommandierender der Infanterie nach Ungarn, ward aber 1686 bei Ofen so schwer verwundet, daß er sein Kommando niederlegen mußte, und lebte fortan als Präsident des Hofkriegsrats (seit 1691) in Wien, vorzugsweise mit der Organisation des österreichischen Heeres beschäftigt. Sein Denkmal steht in der Stephanskirche im rechten Querschiff; eine Statue vor dem Rathaus (früher auf der Elisabethbrücke). Das österreichische Infanterieregiment Nr. 54 führt heute seinen Namen. Vgl. Graf Thürheim, Feldmarschall Ernst Rüdiger Graf S. (Wien 1882); Renner, Wien im Jahre 1683 (das. 1883).

2) Guido, Graf von, geb. 11. Nov. 1657 in Graz, gest. 7. März 1737 in Wien, kämpfte während der Belagerung Wiens 1683 unerschrocken als Adjutant des vorigen, seines Vetters, ging dann auf das ungarische Schlachtfeld, machte 1686 die Belagerung von Ofen, 1687 die Schlacht bei Mohács, 1688 die Erstürmung Belgrads, dann die Schlachten bei Slankamen (1691) und Zenta (1697) mit, mehrfache schwere Verwundungen dabei erleidend. Im Spanischen Erbfolgekrieg kämpfte S. an der Seite des Prinzen Eugen, führte kurze Zeit 1703 an dessen Stelle den Oberbefehl und wußte die versuchte Vereinigung der Franzosen und Bayern in Tirol zu verhindern. 1708 übernahm er als Feldmarschall das Kommando der in Spanien kämpfenden österreichischen Armee und führte den kleinen Krieg glücklich. 1710 zog er nach den Siegen bei Almenara und Saragossa in Madrid ein, ward aber nach der mörderischen Schlacht von Villaviciosa (10. Dez. 1710) zum Rückzug nach Barcelona genötigt. Als der spanische Kronprätendant Erzherzog Karl nach Josephs Tod in die österreichischen Erblande zurückgekehrt war, blieb S. als Vizekönig in Barcelona, konnte sich aber trotz seines Mutes, der ihm den spanischen Beinamen el gran capitan verschaffte, aus Mangel an Unterstützung daselbst nicht halten und ließ sich infolge des Neutralitätstraktats vom 14. Mai 1713 mit den Resten seiner Truppen auf englischen Schiffen nach Genua übersetzen. Er lebte zurückgezogen zuerst in Laibach in der dortigen Kommende des Deutschen Ritterordens, die er 1700 erhalten hatte, und seit 1717 in Wien. 1720 wurde er Landkomtur, später Großkomtur der Ballei Österreich. Sein Grab und Grabdenkmal befinden sich in der deutschen Ordenskirche zu Wien. Vgl. A. v. Arneth, Das Leben des kais. Feldmarschalls Grafen Guido S. (Wien 1853).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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