Beginen


Beginen

Beginen und Begarden (Beguinen, Beghinen), religiöse Genossenschaften, in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh. von dem Lütticher Priester Lambert le Beghe (gest. 1177) gestiftet, nicht, wie man lange angenommen hatte, von der heil. Begga, der Mutter Pippins von Heristal. Lambert, dessen Auftreten als Bußprediger an das seiner jüngern Zeitgenossen Petrus Waldes und Franz von Assisi erinnert, wollte seinen Anhängerinnen in der Lütticher Frauenwelt, denen die Gegner bald den Spottnamen Béguines gaben, eine Stätte bieten, wo sie ihr Leben unter seiner Leitung in Weltentsagung und Keuschheit nach dem Beispiel Christi gestalten könnten. Der Rücktritt in das Weltleben war ihnen dabei freigestellt. Wie in den Niederlanden, so haben sich auch in den Nachbarländern, besonders in Deutschland, bis nach Spanien, Italien, Böhmen und Polen hinein die Beginen ungemein rasch und massenhaft verbreitet, so daß man z. B. in Köln zeitweilig gegen 150 Konvente zählte. Eine wesentliche Umgestaltung erfuhren sie schon im 13. Jahrh. dadurch, daß sie zum großen Teil unter die Leitung der Bettelorden kamen und sich dadurch deren dritten Orden (s. Tertiarier) assimilierten. Im Zusammenhang damit stehen auch die Anklagen wegen Hegung mystisch-pantheistischer Ketzereien, die seit dem Anfang des 14. Jahrh. gegen die Beginen, vielfach ganz grundlos, erhoben wurden und zu zeitweiliger Aufhebung der Genossenschaften sowie zu blutigen Verfolgungen führten. Gleichzeitig wurde auch der Zugang von Angehörigen der höhern Stände zu den Beginen spärlicher, so daß ihre Konvente allmählich den Charakter von Versorgungsanstalten und Armenhäusern annahmen. Noch heute gibt es Beginengenossenschaften in den Niederlanden; 1896 bestanden in Belgien, und zwar ausschließlich im Bereich des flämischen Sprachgebietes, noch 15 Beginenhöfe mit 1230 Insassen, von denen 869 den beiden Genter Höfen angehörten; ihre Beschäftigung wechselt zwischen frommer Beschaulichkeit und weiblichen Handarbeiten, namentlich Spitzenklöppelei. Von den Männerkonventen der Begarden, deren ersten wir um 1220 begegnen, und die sich z. T. mit Weberei, Bierbrauerei und andern Gewerben ihren Unterhalt verdienten, später aber durch ihre Bettelei eine Landplage wurden, überdauerten nur die dem Franziskanerorden angegliederten niederländischen die Reformationszeit; die Stürme der Revolution machten ihnen ein Ende. Vgl. J. L. Mosheim, De Beghardis et Beguinabus (Leipz. 1790); E. Hallmann, Geschichte des Ursprungs der belgischen Beginen (Berl. 1843); G. Uhlhorn, Die christliche Liebestätigkeit in der alten Kirche, Bd. 2: Mittelalter (Stuttg. 1884); H. Haupt, in der »Realenzyklopädie für protest. Theologie und Kirche«, 3. Aufl., Bd. 2, S. 516 ff., 3. Bd., S. 468 ff.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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