Bast [1]


Bast [1]

Bast, bei den Pflanzen eine Gewebeform, deren Elemente, die Bastfasern (Fig. a u. b), langgestreckt, an den Enden zugespitzt sind und stark verdickte Wandungen mit spaltenförmigen, schief gestellten Poren besitzen. Ihre Länge beträgt bei dem B. der Linde und Jutefaser nur 1–4 mm, beim Hanf ca. 10 mm, beim Lein 20–40 mm, bei der Nessel über 7 cm, bei Boehmeria nivea 22 cm. Bisweilen sind die Fasern auch verzweigt (Fig. b). Die Elemente des Bastes treten gewöhnlich zu Gruppen vereinigt als Bastbündel auf, die im Innern der Pflanze ein Hartgewebe (s. d.) bilden, dessen Anordnung den Gesetzen der Mechanik entspricht. Ihre Zugfestigkeit kommt der des Schmiedeeisens gleich, dagegen unterscheiden sich die Bastfasern von Metalldrähten gleichen Querschnitts durch größere Dehnbarkeit sowie geringere Widerstandsfähigkeit bei einer die Elastizitätsgrenze überschreitenden Belastung. – Zur Gewinnung des Bastes legt man die im Frühjahr geschälte Baumrinde 6–8 Wochen lang in Wasser, worauf sich der B. von den Rindenstücken leicht ablösen und in bandförmige Streifen zerteilen läßt. Aus solchen Streifen dreht man Bastseile oder man flicht oder webt daraus Bastmatten oder Bastdecken (leichte Deck-, schwere Sackmatten) zum Verpacken von Waren, zu Fußboden- und Wagendecken, Netzen, Sieben, Segeln, einfach, doppelt, ein- und mehrfarbig, glatt und façonniert.

Formen von Bastzellen. a Unverzweigte, b verzweigte Bastzelle.
Formen von Bastzellen. a Unverzweigte, b verzweigte Bastzelle.

Sie kommen besonders aus Rußland, wo die Verfertigung von Lindenbastmatten (bogòsha) in den Gouvernements Wjatka, Kostroma, Kasan und Nishnij Nowgorod vom Volk schwunghaft betrieben wird. Die russischen Bastschuhe sind aus Weidenbast hergestellt. In Ostindien verarbeitet man den B. mehrerer Bäume zu seinen Geweben von seidenähnlichem Glanz, die auch häufig Seidenfäden enthalten und, gewöhnlich braun oder dunkelgelb von Farbe, als Biambonnes, Cherquemolles, Foulas, Foutalonges, Nillas, Pinasses, Romals etc. in den Handel kommen. Aus B. oder breiten Gräsern wird von Einheimischen am Sankuru River ein Gewebe als Schürzenstoff gefertigt. Grobe Bastgewebe kommen als Emballage nach Europa. B. heißt aber auch ein Gewebe aus Seide zur Kette und Baumwolle zum Schuß; desgleichen ein geköpertes Gewebe aus seiner Baumwollenkette und gröbern Baumwollenschuß. Auch Hüte und Papier werden aus B. hergestellt.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Bast — may refer to: * Bastet (mythology), a goddess in Egyptian mythology * Bast (biology), a type of plant fiber *Bast, Afghanistan * Bast (Marvel Comics), Marvel Comics depiction of the goddess * Bast, The Sandman (Vertigo) depiction of the goddess * …   Wikipedia

  • Bašť — Bašť …   Deutsch Wikipedia

  • Bast — Sm erw. fach. (11. Jh.), mhd. bast, ahd. bast, as. bast Stammwort. Aus g. * basta m. Bast (innere Schicht der Pflanzenrinde), Bastseil , auch in anord. bast, ae. bæst. Hierzu als Vriddhi Bildung mhd. buost Bastseil . Entstehung dunkel. Da Wörter… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Bast — [bast], der; [e]s, e: pflanzliche Faser, die zum Binden und Flechten verwendet wird: aus Bast eine Tasche anfertigen. * * * Bạst 〈m. 1〉 1. unter der Rinde liegendes pflanzl. Fasergewebe, das zum Flechten u. Binden verwendet wird (zur Herstellung …   Universal-Lexikon

  • bast — BAST. s. m. Selle pour les bestes de somme. Bast de mulet, de cheval, d asne. cheval de bast. ce bast blesse ce mulet, rembourrer un bast. On dit fig. d Un sot, d un lourdaut, Que c est un cheval de bast. On dit prov. & fig. d Un homme qui a… …   Dictionnaire de l'Académie française

  • Bast — ist ein Bestandtheil holziger Gewächse und befindet sich zwischen Splint und Rinde, indem er, auch seiner Beschaffenheit nach, den Uebergang von dieser zu jenem macht. Er unterscheidet sich von dem Splinte nämlich nur durch einen lockerern… …   Damen Conversations Lexikon

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  • Bast — Bast: Das altgerm. Substantiv mhd., ahd. bast, niederl. bast, engl. bast, schwed. bast ist dunklen Ursprungs. Der Bast ist die innere Schicht der Pflanzenrinde. In alter Zeit dienten besonders der Linden und Ulmenbast zum Flechten und Nähen. In… …   Das Herkunftswörterbuch

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