Sankt Bernhard


Sankt Bernhard

Sankt Bernhard, Name zweier Pässe der Alpen: 1) Der Große S. liegt im schweizer. Kanton Wallis auf der Grenze des piemontesischen Aostatals, und über ihn führt seit 1893 eine 4,5–7 m breite Fahrstraße von Martigny (Wallis) durch das Val d'Entremont, dann von der Paßhöhe in 2472 m seit 1895 in 33 km nach St. Remy im Bal d'Aofta. Das berühmte Hospiz enthält eine 1817 von A. Pictet in Genf gegründete meteorologische Station mit Registrierinstrumenten (mittlere Temperatur im Winter -8,4, Frühjahr -3,4, Sommer +5,4, Herbst +0,8, Jahr -1,76°). Der Verkehr wird im Sommer durch Postwagen (täglich 1–3mal), im Winter durch Post boten vermittelt. Im Altertum stand auf dieser unwirtlichen Höhe, westlich vom Hospiz (auf dem Jupitersplan), ein Tempel, in dem die Veragri, die damaligen Bewohner von Wallis, den Gott Penninus verehrten; später errichteten die Romer daselbst einen Jupitertempel. Kaiser Konstantin ließ letztern abbrechen und an seiner Stelle eine christliche Kapelle errichten, die aber bei den Einbrüchen der Barbaren in Trümmer sank. Seinen jetzigen Namen hat der Berg von dem heil. Bernhard von Menthon, einem savoyischen Edlen, der um 962 auf den Trümmern der ehemaligen Kapelle ein Kloster errichtet haben soll. Dasselbe erlangte bald bedeutende Güter in verschiedenen Ländern. Das Hauptgebäude (Kloster mit Kirche, Bibliothek, wissenschaftlichen Sammlungen, Post, Telegraph und Fernsprecher) stammt aus dem 16. Jahrh. und ist durch einen Gang mit dem 1898 errichteten Nebengebäude verbunden. Dazu kommen seit 1786 Hôtel St. Louis und Gasthof für Fuhrleute; 80 Reisen de finden ein bequemes, die vierfache Anzahl ein notdürftiges Unterkommen. Die Anzahl der Mönche, die zu den Chorherren der regulierten Augustiner gehören, wechselt zwischen 20 und 50, von denen aber nur ein Teil mit 7 dienenden Brüdern (Marronniers) im Kloster wohnt. Zum Behuf des Aufsuchens und Rettens der Notleidenden halten sie Hunde, welche die jüngern Mönche und die dienenden Brüder auf ihren Gängen begleiten (vgl. das vom St. Bernhardsklub in München 1894 herausgegebene »Bernhardiner Stammbuch«). Jeder Reisende findet im Kloster freundliche Aufnahme; der Berg wird jährlich von 20–22,000 Menschen passiert. Bezahlung wird nicht verlangt, ein großer Teil der Ausgaben wird aus dem Stiftsvermögen bestritten. Einzig in seiner Art ist das Totenhaus (Morgue), eine abgesondert gelegene Halle, worin die Leichname der in den Schneestürmen und Lowinen Umgekommenen und Aufgefundenen aufbewahrt werden, die in der reinen, kalten Luft zu einer Art von Mumien zusammentrocknen. Schon im 1. Jahrh. n. Chr. ist der S. oft überschritten worden. In der neuern Kriegsgeschichte gehört Napoleons Übergang über den S. (15.–21. Mai 1800) mit 40,000 Mann und 150 Geschützen zu den kühnsten Unternehmungen. In der Kapelle des Klosters wurde der General Desaix, der bei Marengo fiel, beigesetzt und ihm von Bonaparte da selbst ein Denkmal errichtet, das, sowie eine schwarze Marmortafel zum Andenken an den Übergang, noch jetzt gezeigt wird. Vgl. F. O. Wolf, Europäische Wanderbilder Nr. 143–146 (Zürich 1888); A. Schulte, Geschichte des mittelalterlichen Handels zwischen Westdeutschland und Italien, Bd. 2 (Leipz. 1900); R. Reinhard, Pässe und Straßen in den Schweizer Alpen (Luzern 1903); de Eugnac, Campagne de l'armée de réserve en 1800, Bd. 1: Passage du grand Saint-Bernard (Par. 1900). – 2) Der Kleine S. (2157 m) liegt im Piemontesischen zwischen dem Aosta- und Tarentaisetal und gehört zu den Grajischen Alpen. Über ihn führt ein sehr bequemer Alpenpaß, wahrscheinlich die Straße, die Hannibal nach Italien einschlug; auf der Höhe steht ein Hospiz, worin einige Mönche des Großen S. Gastfreundschaft üben.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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