São Paulo


São Paulo

São Paulo (spr. ßaung páulū), Staat des südlichen Brasilien, begrenzt von den Staaten Minas Geraës, Goyaz, Rio de Janeiro und Mato Grosso und vom Atlantischen Ozean (s. Karte »Südbrasilien«, Bd. 3), 290,876 qkm mit (1890) 1,384,753 Einw. (4 auf 1 qkm), darunter 20,000 Deutsche und 30,000 Italiener. Der einförmig verlaufenden Küste sind mehrere fruchtbare und wohl bewaldete Inseln vorgelagert, von denen jedoch nur die 22 km lange, 8–11 km breite Insel Sao Sebastião von Bedeutung ist. Der schmale Küstenstrich Beira Mar, begrenzt von der steil abfallenden, bis 1200 m hohen Serra do Mar, verbreitert sich nach Süden zu, wo die sich anschließende Serra do Paranapiaçaba mit der Serra Cadias weiter zurücktritt, bedeutend. Nach W. senkt sich das Land allmählich, und dorthin fließen auch fast alle Gewässer in den die Westgrenze bildenden Paraná, der Rio Grande an der Nordgrenze, Tieté und Parana-Panema mit Itavare an der Südgrenze. Wegen ihrer Stromschnellen ist keiner für die Schiffahrt von Bedeutung und von den Küstenflüssen nur der Iguapé 160 km weit mit Dampfern befahrbar. Die Bergzüge sind meist bewaldet, das innere Hochland besteht vielfach aus Campos (Grassteppen), nur im Süden treten dichte Arautarienwälder auf. Das Klima ist an der Küste heiß und oft ungesund (hier tritt auch das Gelbfieber auf), auf dem Hochland aber angenehm. In der Stadt S. auf dem Hochland beträgt die Jahrestemperatur 10,36° (Sommer 21,54, Winter 15,56°), doch sind plötzliche starke Temperaturwechsel häufig; im Juli fällt bisweilen Schnee. Der Regenfall an 190 Tagen beträgt 1300–1500 mm. Den brasilischen Einwohnern (Paulisten) haben sich deutsche und italienische Kolonisten zugesellt. S. bildet den geistigen Kern Brasiliens durch seine tatkräftige Bevölkerung (1890: 68 Proz. Weiße, nur 10 Proz. Neger, 8,4 Proz. zivilisierte Indianer, 13,3 Proz. Mischlinge). Außer Kaffee werden Zuckerrohr, Baumwolle, Tabak, Mais, Reis, Bohnen, Gerste, Gemüse gewonnen. Die Viehzucht (Rinder, Pferde, Maultiere, Schweine) wird noch roh betrieben. Die Industrie erzeugt Baumwollenstoffe, Eisengußwaren, Tabak, Zigarren, Hüte, Bier, Branntwein. Eisenerz wird in Ipanema bei Sorocaba, Marmor bei San Roque gewonnen, die vorhandene Braunkohle wird indes fast gar nicht ausgebeutet. Der Handel befindet sich zum großen Teil in deutschen Händen. Die besten Häfen sind Santos, Porto de Iguape, Cananea. Eisenbahnen verbinden die Hauptstadt mit Santos, Rio de Janeiro und dem Innern. Die heutige Provinz S. bildet einen Teil der 1535 den Gebrüdern de Souza verliehenen und 1710 von der Krone zurückgekauften Lehnsherrschaft São Vicente. 1720 wurde Minas Geraës, 1748 Goyaz und 1749 Mato Grosso abgesondert. Vgl. Grassi, Storia della colonizzazione europea al Brasile e della emigrazione italiana nello Stato di San Paulo (Rom 1905); »Erstes Jahrbuch für die deutschsprechende Kolonie im Staate S. Beschreibung des Staates S. in Wort und Bild« (São Paulo u. Hamb. 1905). – Die 1552 von den Jesuiten gegründete Hauptstadt S., unter 23°33´ südl. Br. und 46°39´ westl. L., 6 km südlich vom Rio Tieté, 753 m ü. M., hat 17 öffentliche Plätze, Regierungsgebäude (ehemals Jesuitenkollegium), bischöflichen Palast, Rechtsschule, theologische Fakultät, Museum, Seminar für Mädchen, Theater, Irrenhaus, Hospital, Zuchthaus, ist Sitz eines Bischofs, Appellhofs und eines deutschen Konsuls und hat (1902 geschätzt) 260,000 Einw. Die Stadt ist der industrielle Mittelpunkt des Staates, die Gewerbtätigkeit erstreckt sich namentlich auf Kattundruckerei, Tabak-, Zigarren- und Hutfabrikation. In der Nähe die fast ausschließlich von Italienern bewohnten Kolonien Santa Anna, Gloria, São Caetano und São Bernardino.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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