Runge


Runge

Runge, 1) Philipp Otto, Maler, geb. 23. Juli 1777 in Wolgast, gest. 2. Dez. 1810 in Hamburg, bildete sich hier bei Herterich und Hardorff, dann auf der Kopenhagener Akademie unter dem Bildnismaler Jens Juel und 1801–04 auf der Akademie in Dresden, wo er in vertrauten Umgang mit K. D. Friedrich und den Romantikern Tieck und Schlegel trat, und lebte dann wieder in Hamburg. R. ist eine der eigenartigsten Erscheinungen aus der Anfangszeit der neuen deutschen Kunst. In seiner »Farbenkugel« (Hamb. 1870), seinen schriftstellerischen Entwürfen, Tagebüchern etc. (als »Hinterlassene Schriften«, hrsg. von seinem Bruder, das. 1840, 2 Bde.) hat er manche Theorien aufgestellt oder wenigstens vorgeahnt, die erst viel später Gemeingut der modernen Kunst wurden, in seinen Bildern diese Theorien aber nur unvollkommen zum Ausdruck bringen können. Seine Bildnisse im Freien, von denen sein Selbstbildnis mit seiner Frau und seinem Bruder (1804), die Hülsenbeckschen Kinder (1805), die Eltern des Künstlers (1806) die hervorragendsten sind, sind herb in Farbe und Zeichnung, aber voller Empfindung und zum Teil von einer gewissen Großartigkeit der Auffassung. Von dem mystisch-symbolischen Zyklus der vier Tageszeiten, der sein Hauptwerk werden sollte, ist nur der Morgen (1808) fertig geworden. Vortrefflich sind seine ornamentalen Zeichnungen und Silhouetten (»Ausgeschnittene Blumen und Tiere in Umrissen«, Hamb. 1843). Die genannten Werke und der größte Teil seiner Studien befinden sich in der Hamburger Kunsthalle.

2) Friedrich Ferdinand, Chemiker, geb. 8. Febr. 1795 in Billwärder bei Hamburg, habilitierte sich als Privatdozent in Berlin, lebte längere Zeit in Paris, erhielt 1825 eine Professur in Breslau und lebte dann als Beamter, später als Pensionär der Seehandlung in Oranienburg, starb daselbst 25. März 1867. Er entdeckte das Anilin und sah zuerst farbige Abkömmlinge des Anilins, auch untersuchte er die Produkte der trockenen Destillation, die Bestandteile des Krapps etc. Er schrieb: »Farbenchemie« (Berl. 1834, 3 Bde.); »Chemisch-technische Monographie des Krapps« (das. 1845); »Grundriß der Chemie« (Münch. 1847–48, 2 Bde.); »Der Bildungstrieb der Stoffe, veranschaulicht in selbständig gewachsenen Bildern« (Oranienburg 1859); »Hauswirtschaftliche Briefe« (Berl. 1867).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Runge — ist eine seitliche Haltestange bei Langguttransportern (Holz, Rohre), siehe auch Rungenwagen eine Stadt in Texas, siehe Runge (Texas) Runge ist der Familienname folgender Personen: Alfred Runge (1881–1946), deutscher Architekt Annelie Runge (*… …   Deutsch Wikipedia

  • Runge — may relate to the following: People *Brian Runge, U.S. baseball umpire *Carl Runge, German physicist and mathematician **Runge Kutta, a method of numerical analysis **Runge s phenomenon, a problem in the field of numerical analysis **Runge s… …   Wikipedia

  • RUNGE (P. O.) — RUNGE PHILIPP OTTO (1777 1810) Le meilleur représentant avec Caspar David Friedrich du romantisme allemand en peinture. Runge s’est formé à l’Académie des beaux arts de Copenhague (1799 1801), qui attirait à l’époque les jeunes talents de… …   Encyclopédie Universelle

  • Runge — Sf Stützstrebe am Wagen per. Wortschatz fach. (13. Jh.), mhd. runge, ahd. runga, mndd. runge, mndl. rung(e), ronge Stammwort. Aus g. * hrungōn f. Stab, Leitersprosse, Runge , auch in gt. hrugga Stab , ae. hrung Leitersprosse, Querstange .… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Runge — Runge, TX U.S. town in Texas Population (2000): 1080 Housing Units (2000): 461 Land area (2000): 1.175606 sq. miles (3.044805 sq. km) Water area (2000): 0.000000 sq. miles (0.000000 sq. km) Total area (2000): 1.175606 sq. miles (3.044805 sq. km)… …   StarDict's U.S. Gazetteer Places

  • Runge, TX — U.S. town in Texas Population (2000): 1080 Housing Units (2000): 461 Land area (2000): 1.175606 sq. miles (3.044805 sq. km) Water area (2000): 0.000000 sq. miles (0.000000 sq. km) Total area (2000): 1.175606 sq. miles (3.044805 sq. km) FIPS code …   StarDict's U.S. Gazetteer Places

  • Runge — »Halte , Stützstrebe, Stange« (am Wagen): Das altgerm. Substantiv mhd., mnd. runge »Stange, Stemmleiste am Wagen«, got. hrugga »Stab«, niederl. rong »Sprosse der Leiter am Wagen«, engl. rung »Leitersprosse« gehört im Sinne von »Rundholz, stab« zu …   Das Herkunftswörterbuch

  • Runge [1] — Runge, 1) starke eiserne Bolzen, bes. Spitzbolzen an den Leiterwagen; 2) kurzes, starkes Stück Holz; bes. starke Hölzer, welche die Leitern unterstützen; sie stehen in der Achse selbst od. in einem starken Brete (Rungschale, Rungschemel,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Runge [2] — Runge, 1) Christian, geb. 1619, war Buchdrucker in Berlin u. st. hier 1680; er gab 1644 ein Gesangbuch heraus, welches 1658, mit Melodien von Crüger, als Praxis pietatis melica, von Neuem herauskam u. bis 1688 23 Auflagen erlebte; er selbst… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Runge — Runge, Otto Philipp, Maler und Zeichner, geb. 23. Juni 1777 zu Wolgast, gest. 2. Dez. 1810 zu Hamburg; auch Schriftsteller (»Farbenkugel«, 1810). – Sein Sohn Otto Siegmund R., geb. 30. April 1806 zu Hamburg, gest. 16. März 1839 in Petersburg,… …   Kleines Konversations-Lexikon