Rabbiner


Rabbiner

Rabbiner, die von den Gemeinden berufenen und vom Staat anerkannten Lehrer des Judentums. Sie waren von jeher Religionslehrer im weitesten Sinne, führten die jüdische Theologie studierende Jugend in das rabbinische Schrifttum ein, erklärten das Gesetz und predigten in den Synagogen, vollzogen Trauungen und Ehescheidungen, hatten bei eigner Gerichtsbarkeit der Juden den Vorsitz im Richterkollegium, prüften die Lehrer und Schächter, überwachten das religiöse Leben, gaben Gutachten und Entscheidungen über Religionsfragen und streitige Punkte u. dgl. Dieser Wirkungskreis ist unter den veränderten Verhältnissen der Gegenwart modifiziert. In Preußen und anderswo ist die Anstellung der R. Sache der Gemeinden, während sie in einzelnen Ländern, wie in Württemberg, Baden und Hessen, staatlicherseits angestellt werden. In Frankreich wurden sie bis zur Trennung der Kirche vom Staat auf Grund der Konsistorialverfassung installiert. Zur Ausbildung von Rabbinern, für die Gymnasial- und Universitätsbildung unerläßlich ist, wirken neben den Universitäten die Rabbinerseminare in Breslau (seit 1854) und Berlin (seit 1873) und die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums daselbst. Auch Österreich (Wien, seit 1893), England (London), Frankreich (Paris, seit 1859, früher in Metz), Italien (Padua, seit 1827), Ungarn (Budapest, seit 1877) und Amerika (Cincinnati, seit 1874, New York, seit 1886, reorganisiert 1901) haben Rabbinerseminare. Die deutschen R. haben sich 1884 in den »Verband der R. Deutschlands« vereinigt, der Hebung des religiösen Sinnes und Lebens, Verteidigung von Angriffen auf das Judentum, Wahrung der Würde des Rabbinerstandes und Förderung der Mitglieder in wissenschaftlicher und amtlicher Tätigkeit bezweckt.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Rabbiner — Rabbiner: Die Bezeichnung für »jüdischer Schriftgelehrter; Vorsteher einer jüdischen Gemeinde« ist aus gleichbed. mlat. rabinus entlehnt. Dies gehört zu kirchenlat. rabbi, das aus griech. rabbí übernommen ist. Das griech. Wort stammt aus hebr.… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Rabbiner — Rabbīner, die von den Gemeinden berufenen und staatlich anerkannten geistl. Vorsteher und Lehrer der Juden, meist zugleich Prediger; in Frankreich der Groß R. Vorsitzender des jüd. Konsistoriums. Rabbinerseminare in Berlin, Breslau, Wien,… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Rabbiner — Rabbiner, der Name für die Lehrer in jüdischen Schulen, namentlich aber der Vorsteher einer Synagoge …   Damen Conversations Lexikon

  • Rabbiner — Ein Rabbiner (hebr. Sg. רב Rav, Pl. רבנים Rabbanim; deutscher Pl. Rabbiner oder Rabbinen) ist ein Funktionsträger in der jüdischen Religion. Dieser religiöse Titel des Judentums wird von hebräisch Rav oder aramäisch Rabbuni (Meister, Lehrer)… …   Deutsch Wikipedia

  • Rabbiner — 1. Ein fetter Rabbiner und ein magerer Prälat taugen beide nicht viel. Vom Rabbiner wurde nicht nur Entsagung gefordert, man setzte auch infolge seines Studiums Mangel an Wohlbeleibtheit voraus. Die Prälaten dagegen haben nie in dem Rufe… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Rabbiner — jüdischer Priester; Rabbi; jüdischer Geistlicher * * * Rab|bi|ner [ra bi:nɐ], der; s, , Rab|bi|ne|rin [ra bi:nərɪn], die; , nen: jüdischer Geistlicher, jüdische Geistliche; Lehrer, Lehrerin der jüdischen Religion und des jüdischen Gesetzes: ein… …   Universal-Lexikon

  • Rabbiner — der Rabbiner, (Mittelstufe) Lehrer der jüdischen Religion Synonym: Rabbi Beispiel: Der Rabbiner hält den Gottesdienst in der Synagoge ab …   Extremes Deutsch

  • Rabbiner — Jødisk præst og lærer …   Danske encyklopædi

  • Rabbiner — Rab·bi̲·ner der; s, ; ein jüdischer Religionslehrer und Prediger …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Rabbiner — Rab|bi|ner 〈m.; Gen.: s, Pl.: 〉 1. Geistlicher der jüd. Gemeinde 2. Lehrer der jüd. Gesetze u. der jüd. Religion [Etym.: <mlat. rabbinus <hebr. rabbuni; → Rabbi] …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch