Baer [2]


Baer [2]

Baer, Karl Ernst von, Naturforscher, geb. 17. (29.) Febr. 1792 auf dem väterlichen Gute Piep in Esthland, gest. 28. Nov. 1876 in Dorpat, studierte 1810–14 in Dorpat Medizin und wurde durch Döllinger in Würzburg für das Studium der Zootomie gewonnen. 1817 wurde er unter Burdach Prosektor in Königsberg und 1822 Professor der Zootomie. Er gründete das dortige zoologische Museum und wurde 1826 auch Direktor des anatomischen Theaters. 1829 ging er als Mitglied der Akademie und Professor der Zootomie nach Petersburg, kehrte aber 1830 nach Königsberg zurück, um 1834 einem abermaligen Rufe nach Petersburg zu folgen. 1837 bereiste er Lappland und Nowaja Semlja, und 1851–56 untersuchte er die Fischereien am Peipussee, in der Ostsee und im Kaspischen Meer und veröffentlichte darüber ein vierbändiges Werk (Petersb. 1857–59). 1861 fand auf seine und Rud. Wagners Veranlassung eine Zusammenkunft von Anthropologen in Göttingen statt (Bericht von B. und Rud. Wagner, Leipz. 1861). 1862 nahm er seinen Abschied als Akademiker, wurde aber zum Ehrenmitglied erwählt. B. hat sich um die Zootomie, namentlich aber um die Entwickelungsgeschichte der Tiere große Verdienste erworben. Von seinen zahlreichen Schriften, die sich durch philosophische Tiefe ebenso wie durch Allgemeinverständlichkeit auszeichnen, nennen wir: »De fossilibus mammalium reliquiis in Prussia adjacentibusque regionibus repertis« (Königsb. 1823); »Vorlesungen über Anthropologie, für den Selbstunterricht bearbeitet« (das. 1824, Bd. 1, unvollendet); »De ovi mammalium et hominis genesi« (Leipz. 1827); »Untersuchungen über die Gefäßverbindungen zwischen Mutter und Frucht in den Säugetieren« (das. 1828); »Über Entwickelungsgeschichte der Tiere, Beobachtung und Reflexion« (Königsb. 1828–37, 2 Bde.; Schlußheft hrsg. von Stieda, das. 1888); »Untersuchungen über die Entwickelungsgeschichte der Fische, nebst einem Anhang über die Schwimmblase« (Leipz. 1835); »Über doppelleibige Mißgeburten oder organische Verdoppelungen in Wirbeltieren« (Petersb. 1846); »Historische Fragen, mit Hilfe der Naturwissenschaften beantwortet« (das. 1874); »Studien auf dem Gebiete der Naturwissenschaften« (das. 1874); »Über die Homerischen Lokalitäten in der Odyssee« (Braunschw. 1877). In seinen »Reden und kleinen Aufsätzen« (Petersb. 1864–77, 3 Bde.; 2. Ausg., Braunschw. 1886) trat er in eine gewisse Opposition zur Darwinschen Theorie. B. war auch Mitarbeiter von Panders »Beiträgen zur Naturkunde« und von Burdachs »Physiologie«. Aus den Schriften der Petersburger Akademie sind besonders abgedruckt die »Kaspischen Studien«, welche die beste Beschreibung des Kaspischen Meeres enthalten. Mit Helmersen gab er heraus: »Beiträge zur Kunde des russischen Reichs« (Petersb. 1839–73, 26 Bde.). Aus seinem Nachlaß erschien die »Lebensgeschichte Cuviers« (hrsg. von Stieda, Braunschw. 1897). Vgl. Baers Selbstbiographie: »Nachrichten über Leben und Schriften etc.« (Petersb. 1866; 2. Ausg., Braunschweig 1886); Stieda, Karl Ernst von B. (das. 1878); Seidlitz, Beiträge zur Deszendenztheorie, II. B. und die Darwinsche Theorie (Leipz. 1876).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Baer — Baer, Karl Ernst von, Naturforscher, geb. 28. Febr. 1792 auf Piep in Estland, 1819 Prof. der Zoologie in Königsberg, 1834 in Petersburg, gest. 28. Nov. 1876 in Dorpat, bes. verdient um die Lehre von der Zeugung. – Vgl. Stölzle (1897), Haacke… …   Kleines Konversations-Lexikon

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