Baader


Baader

Baader, 1) Joseph von, Ingenieur, geb. 30. Sept. 1763 in München, gest. daselbst 20. Nov. 1835, studierte in Göttingen Mathematik und Mechanik, ward 1798 Direktor des Bergbaues und des Maschinenwesens in Bayern, 1808 Mitglied der Generaldirektion des Bergbaues und der Salinen und später Professor zu München. Er machte verschiedene Erfindungen in der Mechanik, erwarb sich große Verdienste um das Eisenbahnwesen und schrieb: »Beschreibung eines neu erfundenen Gebläses« (Götting. 1794); »Theorie der Saug- und Hebepumpen etc.« (Bayreuth 1797; 2. Aufl., Hof 1820); »Neue Vorschläge und Erfindungen zur Verbesserung der Wasserkünste beim Bergbau und dem Salinenwesen« (1800; 2. Aufl., das. 1820); »Über ein neues System der fortschaffenden Mechanik« (Münch. 1823); »Huskisson und die Eisenbahnen« (das. 1830).

2) Franz Xaver von, Philosoph und Theolog, Bruder des vorigen, geb. 27. März 1765 in München, gest. daselbst 23. Mai 1841, studierte seit 1781 in Ingolstadt und Wien Medizin, ließ sich in seiner Vaterstadt als Arzt nieder, ging aber schließlich zum Bergwesen über. Nach einem dreijährigen Aufenthalt auf der Bergakademie zu Freiberg und längern Reisen wurde er 1797 kurfürstlicher Münz- und Bergrat, 1800 Oberbergmeister, 1807 Oberbergrat; seit Verlegung der Landshuter Universität nach München (1826) hielt er an ihr als Honorarprofessor bis zu seinem Tode Vorlesungen über spekulative Dogmatik. B. bezeichnet als das Endziel seiner Spekulation die Vereinigung der (katholischen) Theologie mit der Philosophie; er nimmt zu seinen Vorbildern den Mystiker Jakob Böhme, den er als den tiefsten deutschen Denker ansah, und dessen Lehre er mit der Schellingschen Naturphilosophie zu vereinigen suchte, und Böhmes Anhänger Louis Claude Saint-Martin. B. wollte nach seinem eignen Ausdruck kein System, sondern nur »Anregungen zum Erkennen« (fermenta cognitionis) geben und tat dies in einer geistreichen, aber wunderlichen Form. Das menschliche Wissen ist nach ihm ein Mitwissen mit Gottes Wissen, und das Bewußtsein ist ein Wissen des Bewußtseins von Gott: cogitor, ergo cogito et sum. Weder theoretisch noch praktisch sind wir spontan tätig, sondern nur rezeptiv, bedürfen fortwährend eines Höhern. Rein theosophisch entwickelt B. seine Trinitätslehre und Christologie; nicht ohne Bedeutung ist seine Sozietätswissenschaft. Seine zahlreichen Schriften, die ihn als einen reichen und vielseitigen Geist sowie durchaus edlen Charakter zeigen, sind meist subjektive Ergüsse, Briefe, Kritiken, Gelegenheitsschriften. Am bekanntesten sind die »Fermenta cognitionis« (Berl. u. Leipz. 1822–25, 6 Hefte). 1827 veröffentlichte er seine Vorlesungen an der Münchener Universität: »Über religiöse Philosophie«. Hierauf folgten seine »Philosophischen Schriften und Aufsätze« (Münst. 1831–32, 2 Bde.) und seine »Vorlesungen über spekulative Dogmatik« (Heft 1, Stuttg. 1828; Heft 2–5, Münst. 1830–38) u. a. Eine Gesamtausgabe seiner Werke besorgten Franz Hoffmann, ein eifriger Vorkämpfer Baaders, und andere (Leipz. 1850–60, 16 Bde.), mit wertvollen Einleitungen, der Biographie und dem Briefwechsel des Verfassers. Vgl. Reichel, »Die Sozietätsphilosophie Frz. v. Baaders« (Tübing. 1901). Einen Auszug aus Schriften Baaders gab I. Claassen heraus (»F. v. Baaders Leben und theosophische Werke als Inbegriff christlicher Philosophie«, Stuttg. 1886–87, 2 Bde.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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