Pforzheim


Pforzheim

Pforzheim, Amtsstadt im bad. Kreis Karlsruhe, am nördlichen Eingang des Schwarzwaldes und an der Mündung der Nagold in die Enz, Knotenpunkt der badischen, bez. württembergischen Staatsbahnlinien Durlach-Mühlacker, P.-Wildbad und P.-Horb sowie der Eisenbahn Ettlingen-P., 247 m ü. M., hat einen großen Marktplatz mit neuem Rathaus, 3 evangelische und 2 kath. Kirchen, Synagoge, ein altes Schloß (vormals Residenz der Markgrafen von Baden) mit einer gotischen Kirche (darin die 1860 geschlossene Gruft der badischen Regentenfamilie), ein Kaiser Wilhelm-, ein Krieger- und ein Bismarck-Denkmal und (1900) 43,351 (nach Einverleibung der angrenzenden Landgemeinde Brötzingen [1905] 59,395) Einw., davon 46,731 Evangelische und 658 Juden. Sehr ausgedehnt ist die dortige Bijouteriewarenfabrikation. Für dieselbe arbeiteten 1904 in 494 Haupt- und 408 Nebenbetrieben ca. 22,000 Arbeiter. Verarbeitet wurden für ca. 3 Mill. Mk. Silber, für 25 Mill. Mk. Gold und für 5 Mill. Mk. Steine und Perlen. Die Gesamtproduktion belief sich auf ca. 120 Mill. Mk. Außerdem hat P. Eisenwerke, Maschinenbau, einen Kupferhammer, Gerberei, Werkzeugfabriken, Fabrikation von Chemikalien und Papier, Bierbrauerei, ein Elektrizitätswerk etc. Der Handel wird unterstützt durch eine Handelskammer und eine Reichsbanknebenstelle und ist außer in Bijouteriewaren noch bedeutend in Vieh, Landesprodukten und Holz. P. hat ein Gymnasium, eine Oberrealschule, eine Kunstgewerbeschule. Waisenhaus, Irrenheil- und Pflegeanstalt, Museum etc.

Wappen von Pforzheim.
Wappen von Pforzheim.

Die städtischen Behörden zählen 23 Stadtratsmitglieder und 100 Stadtverordnete; sonst ist P. Sitz eines Amtsgerichts, zweier Forstämter und einer Probieranstalt für Edelmetalle. – P. ist der Geburtsort Johann Reuchlins. Die Stadt steht auf den Trümmern einer römischen Niederlassung, kam im 13. Jahrh. an Baden und war seit 1300 Residenz der Markgrafen, bis sich Karl II. 1565 in Durlach ansiedelte. Die Überlieferung von dem Heldentod der 400 Pforzheimer in der Schlacht bei Wimpfen (s. d.) 6. Mai 1622 ist neuerdings als unglaubwürdig erwiesen worden; vgl. Coste, Die 400 Pforzheimer (1879), dagegen: Brombacher, Der Tod der 400 Pforzheimer (Pforzh. 1886). 1624 ward P. von ligistischen Truppen eingenommen, 1689 von den Franzosen niedergebrannt. Vgl. Pflüger, Geschichte der Stadt P. (Pforzh. 1862); Stolz, Geschichte der Stadt P. (das. 1901); Korth, Urkunden des Stadtarchivs zu P. (das. 1899); Gothein, Pforzheims Vergangenheit (Leipz. 1889); Rühl, Führer durch die Bijouteriefabriken in P. (6. Aufl., Pforzh. 1894); Näher, Die Stadt P. (das. 1884); »Jahrbuch der Stadt P.« (das. 1900 ff.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.