Pausanĭas


Pausanĭas

Pausanĭas, 1) ein Spartaner aus dem Königshaus der Agiaden, Sohn des Kleombrotos, führte seit dem Tode des Leonidas (480 v. Chr.) die Regierung als Vormund von dessen minderjährigem Sohn Pleistarchos. 479 hatte er den Oberbefehl über die verbündeten Griechen in der siegreichen Schlacht bei Platää gegen die Perser und darauf bis 476 den über die griechische Flotte, mit der er Kypros und Byzantion eroberte. Hier aber ließ er sich in verräterische Umtriebe mit Xerxes ein, um mit dessen Hilfe die Alleinherrschaft über Griechenland zu erlangen, und erbitterte durch sein herrisches Auftreten die ionischen Bundesgenossen so sehr, daß er auf deren Beschwerde von Sparta abberufen wurde (477) und der Oberbefehl an die Athener überging. Doch mußte er infolge mangelnder Beweise freigesprochen werden, kehrte nach Byzantion zurück und nahm die Verhandlungen mit Persien auf, bis die Athener Gewalt gegen ihn anwandten und aus Byzantion vertrieben und die spartanischen Ephoren ihn, als er sich an der kleinasiatischen Küste festgesetzt hatte, zum zweiten mal zurückriefen. Aber erst nach einiger Zeit erhielten sie durch den Verrat eines Sklaven bestimmte Beweise seiner Schuld. P. floh in das Heiligtum der Athene, ward hier eingemauert und starb den Hungertod (468). Vgl. H. B. Wrigth, The campaign of Plataeae (New Haven 1904).

2) Griech. Schriftsteller des 2. Jahrh. n. Chr., wahrscheinlich aus Lydien, bereiste Griechenland, Italien, einen großen Teil von Asien und Afrika und beschrieb zwischen 143 und 180 in der »Periegesis« (»Rundreise«) in 10 Büchern die religiösen und künstlerischen Merkwürdigkeiten der einzelnen Orte fast ganz Griechenlands mit Berücksichtigung der Geographie, Geschichte und besonders der alten Mythen. Das Werk, obwohl vom Standpunkt eines Reisenden und für Reisende geschrieben, hat eine durch die neuesten Ausgrabungen in Olympia, Mykenä und Delphi vielfach glänzend bewährte, hohe Wichtigkeit für Archäologie und Mythologie, für die es vielfach als einzige Quelle dient. Freilich lassen es manche Eigentümlichkeiten seiner Berichterstattung zweifelhaft, ob P. selbst für Orte, die er aus Augenschein kannte, nicht vielmehr nach ältern Quellen (wie dem Periegeten Polemon u.a.) als nach eignen Erinnerungen und Aufzeichnungen berichtet hat. Ausgaben von Schubart und Walz (Leipz. 1838–39, 3 Bde.); Schubart (das. 1881 bis 1883, 2 Bde.); Hitzig und Blümner (Berl. 1896 bis 1904, 2 Bde.); Frazer (Lond. 1898, 6 Bde.); Spiro (Leipz. 1903. 3 Bde.; übersetzt von Schubart, 3. Aufl., Berl. 1896). Vgl. Kalkmann, P. der Periëget (Berl. 1886); Bencker, Der Anteil der Periëgese an der Kunstschriftstellerei der Alten (München 1890); Heberdey, Die Reisen des P. in Griechenland (Wien 1894); Frazer, P. and other Greek sketches (Lond. 1900).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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