Paraguay [2]


Paraguay [2]

Paraguay (spr. -gwāi), Republik in Südamerika (s. Karte »Argentinische Republik«), zwischen 22°-27°22´ südl. Br. und 54°32´-61°20´ westl. L., begrenzt von Bolivia, Brasilien und Argentinien und 253,100 qkm, mit Einrechnung des von Bolivia und Paraguay zugleich beanspruchten nördlichen Chaco bis 17°24´ südl. Br., 457,000 qkm groß.

[Physische Verhältnisse.] Der östliche Teil zwischen den Flüssen Paraguay und Parana wird in nordsüdlicher Richtung von den Randstufen der brasilischen Gebirgsmasse durchzogen (Serra de Mbaracajú und Amambay), deren südliche Fortsetzung die 700 m hohe Kordillere von Villa Rica ist, welche die Zuflüsse des Paraná und Paraguay scheidet. Jenseit des Paraguay breitet sich der Chaco Paraguayo aus (s. Gran Chaco), durchzogen von einigen rechten Zuflüssen des Paraguay, der links den Aquidaban, Ipané, Jejui, Tebicuary u.a. aufnimmt und in seinem südlichen Lauf die Westgrenze bildet, während der Parana, dem hier Acaray, Monday etc. zugehen, das Land im O. und S. begrenzt. Die gebirgigen Landstriche zwischen den von quartären und tertiären Bildungen erfüllten weiten Tälern des Paraná und Paraguay bestehen wesentlich aus versteinerungslosen Sandsteinen mit deckenartig eingeschalteten Eruptivgesteinen (Melaphyren) wohl cretazeïschen Alters. Im N. des Landes treten unter den Sedimenten paläozoische (devonische und karbonische) Ablagerungen und archäische Gesteine hervor. Das Klima von P. ist gemäßigter, als man seiner Lage nach erwarten sollte. Nördliche und südliche Winde wechseln rasch miteinander ab, die erstern bringen feuchte Hitze (Moskitoplage), die letztern sind trocken und kühl; daher rasche Änderungen der Temperatur, namentlich im Sommer. Bereits dicht am Wendekreis und in höhern Lagen sinkt die Temperatur im Juli und August nachts nicht selten bis auf den Nullpunkt; Asunción: Februar 26,1°, Januar 27,2°, Juni 14,3°. Die vorwiegend in der wärmern Jahreszeit auftretenden Niederschläge erreichen im Jahresmittel 1,438 m. Asunción: Regentage 72, bewölkte Tage 87, heitere Tage 206. Der Charakter der Jahreszeiten ist in P. zwar nicht so scharf getrennt wie im südlichern Buenos Aires, aber deutlicher ausgesprochen als in den Äquatorialgegenden. P. ist ein waldiges, mit offenen Grasflächen wechselndes Hügelland. Die Wälder bestehen aus Myrtaceae, Leguminosae, Anonaceae, Laurineae, Urticaceae und andern Nutzhölzern sowie aus Ilex paraguaiensis, dem Yerba Mate. Im Gran Chaco und am Paraguay finden sich nicht selten Palmenhaine (Copernicia-Arten). Die offenen Gegenden bestehen nur aus Gräsern und gesellig wachsenden Stauden, während die Flußufer reich an Quebrachowäldern sind. In der Tierwelt Paraguays vertreten mehrere Katzenarten, darunter der Puma und Jaguar, sowie der Surilho oder das amerikanische Stinktier (Mephitis suffocans) und der Rüsselbär (Nasua socialis) die Raubtiere, zahlreich sind die Fledermäuse, von Nagetieren sind der zu den Stachelschweinen gehörige Cuiy (Cercolabes villosus), Sumpfbiber (Myopotamus coypor) und Viscacha (Lagostomus trichodactylus) zu nennen, das Wildschwein wird durch das Pekari (Dicotyles) vertreten, von den Paarzehern finden sich der Pampashirsch (Cervus campestris) und das brasilische Reh (C. rufus), von den Unpaarzehern der amerikanische Tapir (Tapirus americanus), besonders charakteristisch aber sind die Zahnarmen, der Ameisenbär oder Tamandua (Myrmecophaga tetradactyla) und verschiedene Gürteltiere oder Tatu (Gattung Hasypus). Unter den Vögeln überwiegen Papageien und Kolibris. Alligatoren bevölkern die Sümpfe, Schlangen sind häufig, charakteristische Froschgattungen vertreten die Amphibien, und zahlreich sind die Fischarten, wie besonders auch unter den Mollusken die Unioniden des wasserreichen Gebietes. Unter den Insekten werden Ameisen und Moskitos lästig.

[Bevölkerung.] Durch den furchtbaren Krieg von 1865–70 sank die auf 11/3 Mill. geschätzte Bevölkerung bis auf 221,079 Seelen (1873), davon nur 28,746 Männer. Im J. 1900 wurden 635,571 Einw. gezählt einschließlich 100,000 Indianer; unter den Fremden waren 9306 Argentinier, 2220 Italiener, 1334 Brasilier, 756 Spanier, 902 Deutsche, 635 Franzosen, 561 Uruguayer, 401 Engländer, 159 Österreicher, 173 Schweizer, 123 Portugiesen. Die zivilisierten Indianer sind alle Guaraní; die Guaranisprache wird noch allgemein gesprochen, selbst in der Hauptstadt, obschon das Spanische die offizielle Sprache ist. Die »wilden« Indianer im Chaco gehören zu den Lengua, Toba, auch Guaycurú genannt, und zu einer Anzahl andrer freier Stämme. Viele sind kühne Reiter und ziehen Jagd und Raub der Viehzucht und dem Landbau vor. In neuerer Zeit sind auch europäische Ansiedler nach Paraguay gezogen; so entstanden die deutschen Kolonien San Bernardino mit (1901) 1202 Einw., Nueva Germania mit (1904) 171 Einw., ferner Villa Hayes mit (1899) 1405, Colonia Nacional Yegros mit 1305, Nueva Australia mit 265,25 de Noviembre 2590, Colonia Elisa 277, San Cosme 50 Einw. 1905 betrug die Einwanderung 543 Seelen. Die Volksbildung steht noch auf niedriger Stufe; von den erwachsenen Eingebornen können nur 39 Proz., von den Fremden 60 Proz. lesen und schreiben. Doch bestehen jetzt 370 öffentliche und Privatschulen mit staatlicher Unterstützung; ferner 5 Colegios (Gymnasien), eine Universität und einige Fachschulen. Staatsreligion ist die katholische, doch sind alle andern Bekenntnisse geduldet.

[Erwerbszweige.] Der Ackerbau befindet sich noch in dem Stadium kleinen Betriebes und steht weit hinter der Viehzucht zurück. Vor dem Kriege waren 220,000 Hektar unter Kultur, 1891 aber nur 90,800 und 1902 bereits 112,650 Hektar, vornehmlich mit Mais, Mandioka und Bohnen, die außer Fleisch die Hauptnahrung des Volkes bilden, dann in zunehmendem Maße mit Tabak, Baumwolle, Reis, Zuckerrohr, Wein, Bataten, Kürbissen, Wassermelonen, europäischem Gemüse, Orangen, die in Menge ausgeführt werden, Zitronen, Bananen, Ananas, Feigen, Tomaten, Erdnüssen, Zwiebeln etc. Das wertvollste Produkt des Landes ist Yerba Mate-Tee (Paraguaytee, s. Ilex), jährlich 10–12,000 Ton., wovon 6000 T. im Werte von 3,3 Mill. Mk. zur Ausfuhr kommen. Der rasch zunehmende Viehstand betrug 1901: 207,330 Pferde, 5974 Maulesel und 4665 Esel, 2,413,780 Rinder, 236,755 Schafe, 46,871 Ziegen und 38,377 Schweine. Heute sind diese Zahlen bereits weit überholt, so daß 1906 die Rinder 4,900,000 Stück zählten. Die Mineralschätze werden wenig ausgebeutet; darunter Eisen, Kupfer, Schiefer, Kalk, Marmor, Sandstein, Manganit, Kaolin und Salz; Steinkohlen fehlen ganz. Die Industrie stellt außer der Fabrikation des Quebrachoholzextrakts (Gerbstoff), der Bearbeitung von Nutzhölzern und der Herstellung von Saladeroprodukten für die Ausfuhr auch Weine, Liköre, Rum, Sattlerwaren, Seife, Wachs, Zündhölzer, Möbel, Kerzen und Drucksachen fabrikmäßig her; Baumwollwaren: Ponchos, Mantas, Spitzen, Pferdedecken, werden vielfach in der Hausindustrie erzeugt, auch gibt es Schiffbau, Sägemühlen, Steinbrüche, Zuckermühlen, Zigarrenfabriken u.a. Der Handel leidet unter dem Mangel an Verkehrsstraßen; 1901 betrug die Einfuhr (Weizenmehl, Olivenöl, Kerzen, Petroleum, Salz, Zucker, Spirituosen, Eisenwaren, Gewebe) 14,6, die Ausfuhr (Yerba Mate-Tee, Tabak, Rindshäute, Holz, Orangen) 17,4 Mk. Vom Ausland liefen 1902 in Paraguay 4959 Schiffe von 926,367 Reg.-Ton. ein. Die 252 km lange Eisenbahn von Asunción bis Pirapó beförderte 1901: 628,578 Reisende und 100,000 Ton. Güter, die Post durch (1902) 142 Postämter 2,276,826 Sendungen. Von Telegraphenlinien besteht neben der an der Eisenbahn entlang laufenden seit 1884 eine Linie nach Paso de la Patria an der Grenze der argentinischen Provinz Corrientes und von Asunción nach Villa Hayes, ferner eine Nordlinie nach Villa Concepción, eine Ostlinie nach Ajos und eine Südostlinie; Gesamtlänge 1905: 1165 km mit 60 Telegraphenstationen. Befördert wurden 1901: 97,014 Depeschen. Maße und Gewichte, früher den altkastilischen nachgebildet, sind gesetzlich seit 1899 metrische. 1 Vara = 86,6 cm, die Legua cuadrada = 1874,89 Hektar, der Barril von 32 Frascos zu 4 Cuartos = 96,928 Lit., der Quintal von 4 Arrobas zu 25 Libras = 45,940 kg. Währung ist der Peso zu 100 Centavos in uneinlöslichem Papiergeld, von welchem (1905) 30,149,368 im Umlauf waren, außerdem 500,000 Pesos Nickelmünze zu 5,10 und 20 Cent. Auch wird mit Goldpeso = 4,08 Mk. gerechnet, wobei 1906 das Gold zum Papier im Wertverhältnis von 1: 11 stand.

Nach der Verfassung vom 18. Nov. 1870 wird der Präsident vom Volk auf vier Jahre gewählt. Der Senat besteht aus 16, die Kammer der Deputierten aus 26 Mitgliedern. Die Finanzen wurden durch den Krieg völlig zerrüttet; 1905 betrugen in Papierpesos (0,37 Mk.): Einnahmen 24,884,920, Ausgaben 24,000,000. Die äußere Staatsschuld betrug 1904: 4,485,250 Goldpesos = 18,299,820 Mk.; hierzu käme noch eine »in suspenso« schwebende Kriegsschuld an Brasilien und Argentinien und eine litigiose, von der englischen Eisenbahngesellschaft beanspruchte Schuld, die beide nicht in zutreffenden Zahlen angegeben werden können. Ein Heer in unserm Sinn existiert insofern nicht, als die ständigen Truppen, 1 Bataillon, 1 Eskadron, 1 Batterie, zugleich Polizeidienste verrichten. Im Kriege wird die Nationalgarde auf Grund allgemeiner Dienstverpflichtung (vom 18.–45. Lebensjahre) mobil gemacht. Die Infanterie führt Winchestergewehre, die Artillerie 4,6- und 8 cm-Geschütze von Krupp. Die Flotte besteht aus 2 kleinern Hafendampfern mit 13 Offizieren, 90 Matrosen und 182 Marinesoldaten, worunter 27 Offiziere. Eingeteilt wird der Staat in 14 Kreise, außerdem die Hauptstadt Asunción und den Chaco. – Das Wappen (s. Tafel »Wappen III«, Fig. 7) zeigt einen ovalen blauen Schild, rechts und links umgeben von einem Palmen- und einem Lorbeerzweig. Im Schilde sitzt ein Löwe, hinter dem sich ein Pfahl mit der roten Freiheitsmütze erhebt; im Schildfeld die Inschrift: »Paz y Justicia«. Hinter der Freiheitsmütze leuchtet ein fünfstrahliger goldener Stern. Die Flagge ist rot, weiß, blau mit dem Wappenschild in der Mitte (s. Tafel »Flaggen I«).

Geschichte.

Die Mündung des La Plata wurde 1514 durch zwei portugiesische Schiffe des Nuno Manoel entdeckt; 1516 fand hier der Spanier Juan Diaz de Solis durch Eingeborne seinen Tod. Sebastian Gaboto erforschte 1526–30 die Flüsse Paraguay und Vermejo. Juan de Ayolas besiegte und unterwarf am Himmelfahrtstag 1536 die Guaranis in Lambaré, und Salazar gründete in unmittelbarer Nähe 1537 eine Stadt, die zur Erinnerung an jenen Sieg Asunción genannt wurde. Ayolas drang zu Lande bis nach Peru vor, wurde aber auf seiner Rückkehr mit seiner Mannschaft von Indianern erschlagen. Unter Hernando Arias de Saavedra (1609) erschienen die ersten Jesuiten in P. Sie erwarben sich bald das Vertrauen der Indianer und unterrichteten sie im Ackerbau, in Handwerken und Viehzucht. Dagegen machten sie sich den Spaniern durch ihre Sucht nach weltlicher Macht verhaßt. Die Jesuiten gründeten jenes theokratisch-patriarchalische Reich, das zwar formell unter spanischer Hoheit stand, von dem sie aber lange Zeit jeden weltlichen Einfluß abzuwehren wußten. Ihre Missionsbezirke (doctrinae) wuchsen bis zu 40 mit mehr als 170,000 bekehrten Indianern, die in festen Niederlassungen (reducciónes) wohnten. Den Mittelpunkt bildeten die Kollegien zu Asunción und Cordoba; in letzterer Stadt residierte der dirigierende Provinzial. Jeder Niederlassung stand ein Priester vor. Die Ortspolizei übte ein aus den Indianern gewählter Kazike, der dafür sorgte, daß die festgesetzten Arbeiten verrichtet wurden. Letztere geschahen sämtlich für das Allgemeine; ihr Ertrag kam in Magazine, aus denen die Indianer mit allen Bedürfnissen versehen wurden, während bedeutende Über schüsse einen regen Export gestatteten. Weder Spanier noch andre Europäer hatten zu den Niederlassungen Zutritt. Die Guaranisprache blieb die herrschende, doch mußte jeder Indianer lesen und schreiben lernen.

Schon früh kamen die Jesuiten mit den Portugiesen von São Paulo in Konflikt, die als eifrige Sklavenjäger sich durch die Missionen benachteiligt fanden und deshalb wiederholt Grenzstreitigkeiten herbeiführten. Daraus entstand der Plan einer Verlegung einiger Missionen, der zur Notwendigkeit wurde, als 16. Jan. 1750 zwischen Johann V. von Portugal und Ferdinand VI. von Spanien ein Grenzberichtigungsvertrag abgeschlossen wurde, nach dem das Land zwischen dem Uruguay, Yacuy und Ybicuy mit sieben Missionen gegen die Colonia del San Sacramento an Portugal abgetreten werden sollte. Die Eingebornen setzten zwar 1754–58 der Ausführung des Vertrags bewaffneten Widerstand entgegen, unterlagen aber endlich, und als 1766 die Verbannung des Ordens aus Spanien beschlossen ward, wurden 1767 auch die Jesuiten in allen spanisch-amerikanischen Besitzungen an einem Tage festgenommen und ausgewiesen, ihre Missionen aber zwischen Portugal und Spanien geteilt. Damit hörten aber auch die zivilisatorischen Anläufe auf, und die Indianer kehrten bald zu dem wilden Leben zurück. 1776 ward P. zum spanischen Vizekönigreich La Plata geschlagen. Doch war die Verbindung des Landes mit Buenos Aires durchaus lose. Als hier 1810 die Unabhängigkeitsbestrebungen offen an den Tag traten, schickte Buenos Aires den General Belgrano nach P., um hier die spanische Herrschaft zu stürzen. Er ward zwar 19. Jan. 1811 bei Paraguari geschlagen, wußte aber in Asunción eine unblutige Revolution herbeizuführen, durch die an Stelle der spanischen Regierung eine Junta gesetzt wurde. 1813 wählte der Kongreß zwei Konsuln, Francia (s. d. 2) und Yégros, 1814 erstern auf drei Jahre und 1817 auf Lebenszeit. Francia regierte das Land tyrannisch mit eiserner Hand und schloß es gegen die Nachbarstaaten völlig ab, sicherte es aber gegen die Annexionsgelüste Brasiliens und Argentiniens und hob den Wohlstand außerordentlich. Nach des Diktators Tode (1840) wurde zunächst die Konsularverfassung wieder hergestellt; doch ernannte 1844 der Kongreß den Neffen Francias, C. A. Lopez (s. d.), zum Präsidenten auf zehn Jahre mit ziemlich unbeschränkter Gewalt. Lopez regierte ebenso diktatorisch, aber er wechselte das System. Er öffnete 1845 das Land den Fremden und dem Verkehr und änderte 1846 das ganze Zollwesen im Sinne des Freihandels. Der Hafen von Villa del Pilar wurde geöffnet; doch wurde der Handel fast ganz von Lopez monopolisiert, der die wichtigsten Landeserzeugnisse aufkaufte und auf eignen Schiffen ins Ausland verschickte. Die Argentinische Republik verweigerte anfangs die Anerkennung der Republik. Nach dem Sturze von Rosas erfolgte jedoch 15. Juli 1852 die Anerkennung der Unabhängigkeit. Unter Lopez' weitern Verdiensten sind die Verbesserung des Gerichtswesens, die Gründung von Schulen, Regelung der Finanzen, Vermehrung der Verkehrsmittel etc. zu nennen. Gegen Ende 1856 ließ sich Lopez vom Kongreß wieder auf sieben Jahre zum Präsidenten ernennen, starb jedoch 10. Sept. 1862, nachdem er testamentarisch die Präsidentschaft seinem Sohn Francisco Solano Lopez übertragen hatte.

P. befand sich damals in blühender Verfassung. Es hatte keine Schulden, dagegen lagen mehrere Millionen bar im Schatz. Diese günstige Lage kompromittierte jedoch F. S. Lopez durch seine Einmischung in die innern Zwistigkeiten von Uruguay, die ihn in einen Krieg mit Brasilien verwickelten und 1865 eine Koalition von Brasilien, Argentinien und Uruguay wider P. herbeiführte. Anfangs behauptete sich P. mit Erfolg gegen die Übermacht seiner Gegner, bis im Juli 1867 die Brasilier unter Caxias den Angriff auf Humaïtá begannen. Die kleine, aber tapfere Besatzung ergab sich erst 24. Juni 1868, durch Hunger bezwungen, und Lopez zog sich nach dem Norden zurück. Sein befestigtes Lager bei Lomas-Valentinas wurde 21. Dez. erstürmt, Asunción im Januar 1869 besetzt. Dennoch setzte der Diktator den Kampf fort und zwang die Bevölkerung, ihre letzten Kräfte für seine verlorne Sache aufzuopfern. Anfang Mai 1869 übernahm der Graf d' Eu, Gemahl der Kronprinzessin von Brasilien, den Oberbefehl des brasilischen Heeres, Lopez mußte sich nach den nordöstlichen Wäldern zurückziehen, bis er 1. März 1870 gefangen genommen und getötet wurde.

Am 10. Dez. 1870 wurde von einer Nationalversammlung provisorisch C. A. Rivarola, ein früherer Sergeant in der Lopezschen Armee, zum Präsidenten von P. gewählt. Zugleich ward eine neue, sehr demokratische Verfassung vereinbart und darauf 12. Dez. 1871 definitiv Salvador Jovellanos auf drei Jahre zum Präsidenten gewählt. Im Frieden mit Brasilien (April 1872) wurde der nördlichste Teil der Republik an Brasilien abgetreten. Im Oktober schloß Argentinien einen Vertrag mit P., der den Pilcomayo als Grenze im streitigen Chacogebiet festsetzte. Die schiedsrichterliche Entscheidung des Präsidenten der nordamerikanischen Union, Hayes, gab aber P. den größern Teil des Gran Chaco zurück. Erst im Juni 1876 verließen die letzten fremden Truppen P. Das Heer wurde auf 2000 Mann vermindert und durch eine Anleihe in London den dringendsten Finanznöten abgeholfen. Der am 25. Nov. 1874 zum Präsidenten erwählte J. Bautista Gill ward 12. April 1877 aus Privatrache ermordet. Ihm folgte 25. Nov. 1878 Bareiro, der schon im September 1880 starb. Zwar streiten sich die Politiker in P. um den Präsidentenstuhl, doch ist der Wechsel in der Präsidentschaft in der Regel verfassungsgemäß vor sich gegangen.

Vgl. Demersay, Histoire physique, économique et politique du P. (Par. 1860–65, 2 Bde. u. Atlas); Mulhall, Handbook of the River Plate republics (6. Aufl., Lond. 1893); Clemens, La Plata Countries of South America (Philad. 1886); Criado, La república de P. (Asunción 1888); La Dardye, P. the land and the people (englische Bearbeitung von Ravenstein, Lond. 1892); v. Bruyssel, La république du P. (Brüssel 1893); Decoud, Geografia de la república de P. (verm. Aufl., Leipz. 1906); Santos, La república del P. (Buenos Aires 1897); v. Fischer-Treuenfeld, P. in Wort und Bild (2. Aufl., Berl. 1906); H. Mangels, Wirtschaftliche, naturgeschichtliche und klimatologische Abhandlungen aus P. (Münch. 1904); Kärger, Landwirtschaft und Kolonisation im spanischen Amerika, Bd. 1 (Leipz. 1901). Karten von Mouchez (1862), du Graty (1861–66), Habenicht (im Ergänzungsheft 39 zu »Petermanns Mitteilungen«, 1875), Wisner v. Morgenstern (Wien 1878, 8 Blätter), Beyer (Buenos Aires 1886), Criado (Asunción 1888), de Bourgade (Paris 1889), Felix Ladouce (Asunción 1904) und G. Romero (Brüssel 1904). – Zur Geschichte: Ulrich Schmiedels Reise nach Südamerika 1534–1554, nach der Münchener Handschrift von Valentin Langmantel (in Nr. 184 des Literarischen Vereins in Stuttgart, Tübingen 1889); Thompson, The war in P. (Lond. 1869); Washburn, The history of P. (das. 1871, 2 Bde.); L. Schneider, Der Krieg der Tripelallianz gegen die Republik P. (Berl. 1872–75, 3 Bde.); v. Versen, Reisen in Amerika und der südamerikanische Krieg (Bresl. 1872); Guevara, Historia de la conquista de P. (Buenos Aires 1885); Pfotenhauer, Missionen der Jesuiten in P. (Gütersloh 1891–93, 3 Tle.); F. de Azara, Descripción é historia de Paraguaay y Rio de la Plata (Asunción 1896, 2 Bde.); Cecilio Baez, The Paraguayan Chaco (New York 1904); Manuel Dominguez, El Chaco (Asunción 1904).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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