Pappel


Pappel

Pappel (Pappelbaum, Populus L., hierzu Tafel »Pappel I u. II«), Gattung der Salikazeen, meist hohe, schnellwüchsige Bäume mit meist weit ausgreifenden Ästen, breiten, dreieckigen, elliptischen, herz- oder eiförmigen Blättern, meist langen, seitlich zusammengedrückten Blattstielen, vor den Blättern erscheinenden langen, walzenförmigen, hängenden Blütenkätzchen und zwei- (vier-) klappigen, vielsamigen Kapseln. 18 Arten in Europa, Nordasien, Nordamerika. I. Leuce Dub. (Weißpappeln), Tragblätter der Blüten gewimpert, jüngere Zweige meist behaart, mehr oder weniger rundliche Blätter, 4,8, selten 15 Staubblätter. Die Silberpappel (Alber, Albernbaum, Weißpappel, P. alba L., Tafel I, Fig. 9), ein in Mittel- und Nordeuropa bis zum Kaukasus und dem nordöstlichen Asien wachsender, 30 m hoher Baum, mit wenigen tief eindringenden, aber zahlreichen flach streichenden Wurzeln, an alten Stämmen borkiger, an den obern Ästen hell grünlichgrauer Rinde, rundlichen oder eirundlichen, grob gezahnten, eingeschnittenen, selbst buchtig gelappten, oberseits dunkelgrün glänzenden, unterseits weißfilzigen Blättern und seitlich zusammengedrückten Blattstielen, findet sich besonders in Flußniederungen, wächst ungemein schnell, bildet reichlichen Stock- und Wurzelausschlag und variiert auffallend stark in der Form der Blätter. Sie bildet eine für größere Landschaftsgärten unentbehrliche Art. P. alba croatica Wesm. (P. Bolleana Lauche) ist eine pyramidal wachsende Form der Silberpappel. Ein Blendling der Silberpappel mit der Zitterpappel ist die graue P. (P. canescens Sm.), deren Blätter nur buchtig oder eckig gezahnt und unterseits mit leichtem, grauem Haarfilz besetzt sind. Die Zitterpappel (Espe, Aspe, P. tremula L., Tafel I, Fig. 1–8), ein 20–25 m hoher Baum, mit zahlreichen weit und flach verlaufenden Wurzeln, glatter, grün grauer, im Alter kleinborkenrissiger Rinde, kahlen, mehr oder weniger kleberigen Knospen, rundlichen, ausgeschweift stumpf gezahnten, in der Reise völlig unbehaarten Blättern und seitlich zusammengedrückten Blattstielen, gedeiht fast auf jedem Boden und ist durch ganz Europa, Mittel- und Nordasien bis China und Japan, auch in Nordafrika verbreitet. Sie besitzt sehr großes Ausschlagsvermögen; ihre forstliche Bedeutung ist jedoch sehr untergeordnet, und man betrachtet sie sogar als Unkraut in Saatkulturen. Wo aber bessere Holzarten nicht oder zu langsam wachsen, ist sie von Wert. Sie findet sich meist untermischt in Nadel- und Laubholzwald. – II. Aigairos Dub. (Schwarzpappeln), Rinde rissig, Äste ledergelb, glänzend, Blattstiele zusammengedrückt, Blätter unterseits grün, meist durchscheinend knorpelig berandet, Staubgefäße 15–30, bisweilen nur 6–12. Die Schwarzpappel (Saarbaum, Saarbuche, P. nigra L., Tafel II, Fig. 1), ein über 25 m hoher Baum mit teilweise tief eindringenden, teilweise flach verlaufenden Wurzeln, im Alter mit sehr stark- und tiefrissiger Rinde und rauten- oder deltaförmigen, am Grunde breit keilförmigen oder gestutzten, zugespitzten, gesägten, am Rande kahlen Blättern, findet sich in ganz Europa, Nord- und Mittelasien, in Nordamerika verwildert, besitzt großes Ausschlagsvermögen und kann, wie die Weide, als Kopfholz behandelt werden (daher Pappelweide). Sie wächst bei uns wenig in Wäldern, viel mehr in der Nähe menschlicher Wohnungen, hat auch nur geringe forstliche, dagegen immerhin eine gewisse Bedeutung für landwirtschaftliche Holzzucht; ihr Laub dient als Futter für Schafe und Ziegen. In Ungarn, Südrußland und Unteritalien zieht sich ihre Krone mehr und mehr in die Länge, und weiter ostwärts geht sie allmählich in die Form der Pyramiden- oder italienischen P. über. Diese findet sich allgemein bei Bologna, Ferrara und Modena, wird dort aus Samen erzogen und ist auch als selbständige Art (P. italica Mnch.) beschrieben worden, deren Vaterland man in Persien oder Zentralasien sucht. Ende des 17. Jahrh. kam ein Exemplar nach Warschau, 100 Jahre später ein männliches Exemplar nach Wörlitz (aus der Lombardei), und von diesem stammen alle deutschen Exemplare ab. Man kennt in ganz Deutschland nur acht weibliche Bäume Anfänglich in fürstlichen Anlagen gern benutzt, wurde sie später namentlich Alleebaum; wegen der den benachbarten Äckern schädlichen Ausläufer und des vielen auf ihr vorkommenden Ungeziefers aber wird sie jetzt weniger angepflanzt. Das in den letzten Jahren häufig auftretende Absterben anscheinend kräftiger Bäume wird teils durch Altersschwäche (bei beständiger Fortpflanzung durch Stecklinge), teils durch die Einwirkung eines parasitischen Pilzes (Arten von Dothiora) erklärt. Die kanadische P. (P. canadensis Mnch.) wird 30 m hoch, bildet eine längliche Krone, hat mehr oder weniger eckige, in der Jugend von Korkrippen kantige Zweige, beim Entfalten kleberige Knospen, rautenförmige, in der Jugend am Rand behaarte Blätter, völlig unbehaarte Blattstiele, stammt aus Nordamerika und kam erst im 18. Jahrhundert nach Frankreich, von wo sie sich sehr schnell verbreitete. Sie gewährt viel höhere Erträge als die Schwarzpappel, hat letztere bei uns stark zurückgedrängt und ist für Alleen und Parkanlagen sehr empfehlenswert. – III. Tacamahaca Spach. (Balsampappeln), Rinde rissig, Zweige und Knospen kleberig, Blätter rundlich oder länglich, meist unterseits weißlich, Blattstiele kurz, rundlich, 20–30 Staubgefäße. Die Balsampappel (P. balsamifera L., Tafel II, Fig. 2–4), ein in Nordamerika von Kanada bis zum Saskatchewan und Virginien heimischer Baum mit länglicher oder eirund-länglicher Krone, rundlichen oder eckigen, braunroten Zweigen, sehr veränderlichen, eirunden oder herzförmigen, mit verlängerter Spitze versehenen, auch länglichen, gesägten, auf der Unterseite weißlichen, in der Jugend mehr oder weniger behaarten Blättern. Sie wird in mehreren Varietäten kultiviert und wurde früher viel an Wegen angepflanzt, während man sie jetzt der vielen Ausläufer halber nur noch wenig benutzt. Pappeln haben hohen landwirtschaftlichen (italienische P., Silberpappel) und wegen der schnellen und reichlichen Holzproduktion auch praktischen Wert. Sie gedeihen fast überall, wachsen unter allen Bäumen am schnellsten und eignen sich deshalb gut zu Deckpflanzungen und als Mittelpunkt größerer Gruppen. Sie vertragen auch das Köpfen gut (am wenigsten P. alba, tremula und balsamifera) und machen leicht Stockausschlag. Das Holz ist weich, leicht, regelmäßig spaltbar, nur im Trocknen dauerhaft und wird als Blind-, bez. Füllholz in der Möbeltischlerei, beim Wagenbau, zu Packfässern, allerlei kleinen Holzwaren, zu Flechtwerk, in der Papierfabrikation und zu Zündhölzern benutzt. Aus Nordamerika kommt als Poplar das im Kern lichtbraune Holz von P. grandidentata Michx. und das Holz der kanadischen P. (Cottonwood) nach Europa. Das amerikanische Pappelholz ist aber zuweilen Tulpenbaumholz, und umgekehrt kommt Pappelholz als Tulpenbaumholz (White wood, Yellow poplar) in den Handel. Die balsamischen Knospen der Schwarzpappel und andrer Arten dienen zur Bereitung der Pappelsalbe. Vgl. Breton-Bonnard, Un arbre utile. Le Peuplier, histoire, variétés. culture, etc. (Par. 1904).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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